UR Wyalusing Nr. II und Nr. III

An dieser Stelle möchte ich mal wieder eins meiner Speerschleuderprojekte vorstellen.

Die Wyalusing Atlatl - Original Design by Bob Berg (www.thunderbirdatlatl.com) -

Seite 2004 beschäftige ich mich mit dem Thema Speerschleuder/Atlatl und irgendwann im Dezember 2004 habe ich meine erste Wyalusing Atlatl gebaut. Diese Speerschleuder hat mir zwar sehr gut gefallen, aber aus handwerklicher Sicht war ich mit dem Endergebnis nicht wirklich zufrieden und dann war da auch noch die Sache mit dem Haken zur Aufnahme des Speeres; diesen habe ich total falsch an der Speerschleuder angebracht. So kam es, das ich diese Atlatl als gut gemeintes Projekt vorerst abgehakt hatte und in Vergessenheit geriet.

Nun ist ein wenig Zeit ins Land gezogen und irgendwann im Laufe diesen Jahres habe ich das Thema Wyalusing wieder aufgenommen und nach meinen Originalzeichnungen einen zweiten Prototypen dieser Speerschleuder gebaut. Beim Bau dieser Speerschleuder habe ich mir ein wenig mehr Mühe gegeben und das Endergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Bei meinen ersten Wurfversuchen mit dieser "UR Wyalusing Nr. II" habe ich anfangs gedacht ich würde das erste Mal eine Speerschleuder in der Hand haben; so schlecht waren meine Testschüsse. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hatte ich den Dreh jedoch heraus und dann machte es richtig Spaß mit dieser Speerschleuder die Speere fliegen zu lassen und die Wurfergebnisse wurden immer besser. Als nachteilig stellten sich jedoch die sehr ausgeprägten Fingermulden im Griffbereich heraus, denn nach ca. 1 Stunde hate ich mir eine Blase auf der Innenseite des Ringfingers eingefangen. Ein weiteres Manko war die ziemlich flache Bauweise meiner Version der Wyalusing. Der Speer hat bei dieser Speerschleuder zwei Auflagepunkte und zwar Hakenende und Griffbereich. Diese Auflagepunkte bewirken das sich der Speer bis zum Abwurf sehr ruhig halten lässt. Durch mein recht flaches Design dieser Auflagepunkte wurde der Speer von meinem Daumen und Zeigefinger sehr weiträumig umfasst. Dies hat dann den Nachteil, dass sich dadurch Lösefehler beim Abwurf des Speeres ergeben können.

Also zurück an den Rechner und ein neues Wyalusing Design musste her. Bei der "UR Wyalusing Nr. III" habe ich dann all die nachteiligen Eigenschaften der zweiten Version ausgebessert. Im Einzelnen heisst das, die Auflagepunkte für den Speer am Hakenende und im Griffbereich wurden um 5 mm erhöht und die Fingermulden im Griffbereich wurden ein wenig abgeflacht, sorgen aber immer noch für einen sehr guten Halt der Speerschleuder. Auch die Länge der "UR Wyalusing III" ist im Gegensatz zur zweiten Version um 2 cm länger ausgefallen.

Die ersten Testwürfe mit dieser neuen Speerschleuder haben mich wirklich überwältigt. Die Trefferergebnisse übertrafen alles was ich bisher so geschossen habe. Aber auch diesmal sind mir natürlich wieder einmal Dinge aufgefallen die nachbesserungswürdig sind.
Da wäre zum einen der Griffbereich, dieser muss ein wenig mehr auf der Unterseite der Speerschleuder abgerundet sein. Bei meinen Testwürfen habe ich weiterhin festgestellt das Weitschüsse ziemlich genau platziert werden müssen damit man das Ziel trifft, aber mit ein wenig Übung bekommt man das recht gut hin.

Hier aber nun ein paar Fotos von der UR Wyalusing Nr. II und III.:

UR Wyalusing Nr. II, Gesamtansicht

UR Wyalusing Nr. II Gesamtansicht
Gesamtlänge: 61,5 cm
Gesamthöhe (Griffbereich/Hakenende): 5 cm
Gewicht: 130 g
Material: Buche (Teak dunkel gebeizt, anschließendes Finish mit Danish Oil)
Hakenende: Rinderknochen (Wicklung besteht aus Leinenzwirn)

UR Wyalusing Nr. II, Griffbereich

UR Wyalusing Nr. II, Griffbereich
Die ausgeprägten Griffmulden vermitteln zwar ein ergonomisches Design, die Speerschleuder liegt zwar sehr gut in der Hand, aber in der Praxis taugen diese Griffmulden nicht sehr viel, denn bei meinen ersten Testwürfen stellte sich eine Blase auf der Innenseite des Ringfingers an der Wurfhand ein.

UR Wyalusing Nr. II, Hakenende

Detailansicht, UR Wyalusing Nr. II, Hakenende
Der Haken aus Rinderknochen wurde mit Epoxidkleber mit der Speerschleuder verklebt. Zusätzlich wurde noch eine Wicklung aus Leinenzwirn angebracht. Der Speer liegt in zwei kleinen Mulden im Griffbereich und am Hakenende auf, dadurch kann der Speer bis zum Abwurf sehr ruhig gehalten werden. Dies ermöglicht eine höhere Zielgenauigkeit.

UR Wyalusing Nr. III, Gesamtansicht

UR Wyalusing Nr. III Gesamtansicht
Gesamtlänge: 66 cm
Gesamthöhe (Griffbereich/Hakenende): 5,5 cm cm
Gewicht: 150 g
Material: Buche (Finish = Danish Oil)
Hakenende: Rinderknochen (Wicklung besteht aus Leinenzwirn)

UR Wyalusing Nr. III, Griffbereich

Detailansicht, UR Wyalusing Nr. III, Griffbereich:
Die Griffmulden für die Finger der Wurfhand wurden ein wenig abgeschwächt. Die Speerschleuder liegt immer noch sehr gut in der Hand und durch den modifizierten Griff haben sich bis jetzt keine weiteren Probleme bezüglich Blasen an den Fingern ergeben.

UR Wyalusing Nr. III, Hakenende

Detailansicht, UR Wyalusing Nr. III, Hakenende:
Wie schon bei der UR Wyalusing Nr. II wurde der Haken für die Aufnahme des Speeres aus Rinderknochen angefertigt. Der Haken wurde mit Epoxidkleber auf die Speerschleuder geklebt und anschließend mit einer zusätzlichen Wicklung aus Leinenzwirn gesichert. Das Hakenende sowie der Griffbereich wurden um 5 mm erhöht. Dies hat zur Folge, dass der Speer jetzt nur noch von der Daumen- und Zeigefingerkuppe leicht gehalten wird. So wird möglichen Lösefehlern beim Abwurf des Speeres vorgebeugt.

Fazit: Der Vorteil bei der Nutzung dieser Speerschleuder ist, dass der Speer zwei Auflagepunkte hat und ohne großen Kraftaufwand mit Daumen und Zeigefinger bis zum Abwurf sehr ruhig gehalten werden kann. Dies gewährleister z. B. auch, das der recht komplexe Bewegungsablauf beim Speerschleudern ein wenig abgemildert wird und die Trefferqoute dadurch ansteigt. In den USA wird diese Speerschleuder sehr häufig von Jägern benutzt. Das Design der Wyalusing wurde inspiriert durch ein Gemälde welches einen Maya Krieger auf einer Mauer darstellt der eine Atlatl und Speere in der Hand hält. Seit 1993 vertreibt Bob Berg ziemlich erfolgreich diesen Typ von Speerschleuder.

Das Thema Wyalusing ist für mich aber noch lange nicht abgeschlossen und ich werde noch ein wenig mit diesem Design herumexperimentieren. Und um es vorweg zu nehmen, die "UR Wyalusing IV" ist schon in Arbeit :-)